Tierwohl, Nachhaltigkeit und Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif

Dr. Katja Leikert und Uwe Häuser informieren sich auf dem Hof der Familie Schneider

Im Vorgriff auf den EU-Agrarrat in Koblenz hat die Vorsitzende der CDU Main-Kinzig, Dr. Katja Leikert, gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Uwe Häuser den Hof der Familie Schneider in Gründau besucht. Organisiert hatte das Gespräch der Kreisbauernverband; als stellvertretender Vorsitzender hieß Manuel Schneider die CDU-Vertreter willkommen.

Mit ihrer Einladung wollten die Landwirte ihrer Forderung nach mehr Wertschätzung, fairen Wettbewerbsbedingungen und mehr Unterstützung seitens der Politik Ausdruck verleihen. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand u.a. der geplante Green-Deal sowie die damit verbundene „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie der Europäischen Kommission.

Bis 2030 soll nach den Plänen der EU-Kommission der Anteil des ökologischen Landbaus auf 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU erhöht sowie der Nährstoffverlust bei gleichbleibender Bodenfruchtbarkeit, der Pestizideinsatz und der Gesamtverkauf mikrobieller Mittel für Nutztiere und Aquakulturen (insbesondere Antibiotika) EU-weit halbiert werden.

Gerade mit Blick auf die Corona-Krise fordern die Landwirte, die heimischen Märkte zu stärken und eine Abwanderung auf andere Kontinente zu vermeiden. Für einen fairen Wettbewerb im EU-Binnenmarkt müssten darüber hinaus die rechtlichen Anforderungen und Standards der landwirtschaftlichen Erzeugung stärker vereinheitlicht werden. EU-Standards dürften dabei auch von Drittstaaten nicht unterlaufen werden. Eine pauschale Reduzierung beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln lehnt der Bauernverband ab; er fordert stattdessen gezielte und bedarfsorientierte Lösungen. Wenn Verbesserungen in den Bereichen Tierhaltung/Tierschutz, Pflanzenschutz und Düngung sowie Umwelt und Gewässerschutz erreicht werden sollen, muss die Wirtschaftlichkeit hergestellt werden.

Die Land- und Ernährungswirtschaft auf europäischer Ebene zu stärken, sei ein wichtiges Anliegen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, betonte Katja Leikert.  Nach Auffassung der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion müsse eine Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) daher darauf ausgerichtet sein, die Ernährungssicherheit der Europäischen Union sowie eine regional verwurzelte, flächendeckende Landwirtschaft und vitale ländliche Regionen zu wahren. Die Lieferketten funktionsfähig zu halten, habe in diesem Zusammenhang höchste Priorität. 

Einig war man sich, dass europäische und nationale Erzeugnisse im Handel klar gekennzeichnet sein sollten, damit die Verbraucher beim Kauf eine bewusste Entscheidung für hohe Standards und Qualität treffen können. Denn: Ziele müssten erreichbar sein, Erreichtes – dann aber auch vom Verbraucher – honoriert werden. Pauschale „Bauernschelte“, wie sie medial und in Teilen der Öffentlichkeit betrieben werde, seien nicht angebracht, so Leikert und Häuser.

„Wir wissen, dass es Punkte gibt, an denen die Politik nachbessern muss. Das geht aber nur im Dialog und ohne einseitige Schuldzuweisungen in die eine oder in die andere Richtung. Deshalb ist es wichtig, dass wir miteinander im Gespräch bleiben“, betonte Katja Leikert. Die Landwirtschaft sei zu allen Zeiten einem stetigen Wandel unterworfen gewesen und habe diese Herausforderungen stets gemeistert. Allerdings müsse allen Beteiligten klar sein, dass mehr Qualität auch mit einem höheren Preisschild einhergehe. „Tierwohl, Nachhaltigkeit und Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif.“